Viele Anbieter von Coaching Ausbildungen vermitteln den Absolventen, dass es sich beim Beruf des Coaches, Trainers und Beraters um eine freiberufliche Tätigkeit handelt. Freiberufler haben diverse Vorteile und Erleichterungen in Bezug auf Anmelde- und Kammervorschriften sowie steuerliche Regelungen. Ganz allgemein liegt der Vorteil in der freiberuflichen Tätigkeit darin, dass Freiberufler keine Gewerbesteuer zahlen, keine IHK-Pflichtbeiträge leisten müssen und geringeren Bürokratie- und Administrationsaufwand haben. Sogar wenn der Gewinn über 60.000 Euro oder der Umsatz über 600.000 Euro liegt, müssen Freiberufler nur eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) führen.

Wer ist Freiberufler?

Ziemlich häufig kommt es vor, dass Existenzgründer gemischt tätig sind. Das heißt, mit einem Teil ihrer Tätigkeit sind sie Freiberufler und mit einem anderen Teil sind sie Gewerbetreibende, vorausgesetzt die Bereiche lassen sich voreinander abtrennen. So kann es also passieren, dass man beispielsweise jeweils für die freiberufliche und die gewerbliche Tätigkeit eine eigene Gewinnermittlung vornehmen muss.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen erst ab 24.500 Euro Gewinn Gewerbesteuer entrichten. Erst wenn diese Grenze erreicht ist, kommen in Zweifelsfällen überhaupt erst solche Fragen seitens des Finanzamtes auf. Insbesondere Gründer und nebenberuflich Selbständige erreichen diese Grenze in den meisten Fällen jedoch nicht.

Der Freie Beruf im einkommensteuerrechtlichen Sinne wird in Katalogberufe und den Katalogberufen ähnliche Berufe differenziert. Darüber hinaus zählen hierzu die sogenannten Tätigkeitsberufe in Gestalt der wissenschaftlichen, schriftstellerischen, unterrichtenden, künstlerischen und erzieherischen Tätigkeit.

Typisch freiberufliche Tätigkeiten

Allgemein ist zu sagen: Freiberufliche Tätigkeiten beinhalten persönliche, eigenverantwortliche, fachlich unabhängige Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und Allgemeinheit. Sie beruhen auf besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung. Die Grenzen zu gewerblicher Tätigkeit sind jedoch fließend.

Der Status der Freiberuflichkeit orientiert sich an den sogenannten Katalogberufen gemäß § 18 Abs. 1 EStG (Einkommensteuergesetz). Zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehören die selbständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeiten:

  • Heilberufe: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplompsychologen,
  • Rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe: Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, beratende
  • Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer (und Buchrevisoren),
  • Naturwissenschaftliche / technische Berufe: Vermessungsingenieure, Ingenieure, Handelschemiker, Architekten, Lotsen, hauptberufliche Sachverständige,
  • Informationsvermittelnde Berufe / Kulturberufe: Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer (und ähnliche Berufe), Wissenschaftler sowie
  • Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher.

Ein Angehöriger eines freien Berufs ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird.

Beim Katalog der “Freien Berufe” handelt es sich nicht um eine abschließende Aufzählung, sondern auch ähnliche Tätigkeiten werden der Freiberuflichkeit zugeordnet.

Bei neuen Berufsbildern müssen die Gerichte prüfen, ob es sich um Tätigkeiten handelt, die den Katalogberufen ähnlich sind und damit ebenfalls als freie Berufe eingestuft werden können. Die Gerichte entscheiden danach, ob im Zweifelsfall eine vergleichbare Tätigkeit, eine vergleichbare Ausbildung bzw. eine vergleichbare gesetzliche Erlaubnis vorliegt. Die Ähnlichkeit wird dabei recht eng ausgelegt.

Ist ein Coach ein Freiberufler?

Freiberuflicher Coach

Grundsätzlich gilt: Wer einzig und allein Coaching anbieten möchte, ist für das Finanzamt Gewerbetreibender. Ein Coach ist daher in den Augen des Finanzamtes kein Freiberufler im Sinne des § 18 EStG. In § 18 Einkommenssteuergesetz (EStG) sind alle freiberuflichen Tätigkeiten aufgeführt. Insbesondere das Finanzamt legt diese Aufzählung eng aus. Ebenso eng wird ausgelegt, was zu den “ähnlichen Berufen” gehört. Etlichen Gerichtsurteilen zufolge gehört “Coaching” nicht zu den freien oder ähnlichen Berufen. Doch je nach Qualifikation und Arbeitsschwerpunkt kann das Finanzamt den selbstständigen Coach unter Umständen doch als Freiberufler einstufen. Daher kann es sich lohnen, sich diesbezüglich mit dem Finanzamt auseinander zu setzen. Denn ganz allgemein können Coaches Selbständige mit einer (staatlich anerkannten) Prüfung sein, die es ihnen erlaubt, heilend tätig werden zu dürfen.

Ist der Coach weder beratend noch lehrend, sondern einem Psychologen ähnlich tätig, so liegt dann eine Freiberuflichkeit vor, wenn dieser

  • einen Abschluss als Diplom-Psychologe oder Heilpraktiker für Psychotherapie hat (meist wird mit einem Heilpraktiker für Psychotherapie die Freiberuflichkeit bewilligt), oder
  • einem ähnlichen Beruf mit einer dem Dipl. Psychologen vergleichbaren Ausbildung mit entsprechender Tätigkeit vorweisen kann.

Freiberuflicher Trainer

Trainer können as “selbstständige Lehrer” (unterrichtende Tätigkeit) gezählt werden, vorausgesetzt, ihr Unterricht zielt auf die schulmäßige Vermittlung von bestimmtem (Fach-)Wissen ab. Steht ein Kommunikationstrainer oder Organisationsentwickler vor einer Gruppe, dann ist er im Sinne des Finanzamtes als Freiberufler lehrend tätig. Denn die Tätigkeit als Trainer und die Durchführung von Seminaren kann als freiberuflich im einkommensteuerlichen Sinne einzustufen sein, wenn es sich um eine sog. “unterrichtende Tätigkeit” i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG handelt. “Unterricht im Sinne des Einkommensteuergesetzes ist die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Handlungsweisen und Einstellungen in organisierter und institutionalisierter Form”.

Die organisierte und institutionalisierte Form des Unterrichts erfordert u.a. ein auf ein bestimmtes Fachgebiet bezogenes schulmäßiges Programm zur Vermittlung von Kenntnissen. Der Unterricht kann hierbei auch individuell in Form von Einzelunterricht erteilt werden. Die jeweilige Bezeichnung (z.B. Trainer, Lehrer, Coach, Dozent) ist dabei irrelevant, sofern es sich um eine unterrichtende Tätigkeit handelt.

Eine Lehrtätigkeit liegt allerdings dann nicht mehr vor, wenn der Trainer speziell auf die Anforderungen einer Person seine Inhalte und Arbeitsweisen ausrichtet und nicht ein auf einen Fachbereich beschränktes Programm (dies wird dann der beratenden Tätigkeit zugeordnet, für die man ein Gewerbe anmelden muss). Für die unterrichtende Tätigkeit ist eine wissenschaftliche Fachausbildung oder ein formaler Befähigungsnachweis im Allgemeinen nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass der Trainer die betreffenden Kenntnisse und Fertigkeiten beherrscht und vermitteln kann.

Freiberuflicher Berater

Möglich ist dies z.B. für selbständig beratende Betriebswirte, die ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert haben und in ihren Beratungen hauptsächlich Wissen und Kenntnisse aus dem Bereich der Betriebswirtschaft einsetzen.

Vorteile für Freiberufler

Freiberufler sind von der Eintragungspflicht beim Gewerbeamt und beim Handelsregister befreit. Du bist nur verpflichtet, dich beim Finanzamt anzumelden. Du erhältst einen leicht auszufüllenden Fragebogen. Dann bekommst du innerhalb kurzer Zeit eine Steuernummer, die du für deine Rechnungen benötigst. Da für die freiberufliche Tätigkeit selbst bei einer erheblichen Größenordnung nie das Handelsgesetzbuch greift, gibt es diverse Erleichterungen in Melde-, Prüf- und Veröffentlichungspflichten und somit Ersparnisse im Organisationsaufwand. Freiberufler unterliegen nicht der Gewerbeaufsicht.

Freiberufler sind nicht Mitglied der Industrie- und Handelskammer und zahlen keine IHK-Beiträge (Industrie- und Handelskammer). Aber einige Freiberufler, z.B. Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Steuerberater, müssen Mitglied der berufsständischen Kammer sein, um ihre Zulassung zu erhalten.
Freiberufler haben keine Bilanzierungspflicht. Es reicht eine Einnahme-Überschuss-Rechnung. Freiberufler zahlen unabhängig von ihren Einnahmen und Gewinnen keine Gewerbesteuer.

Viele Selbständige, z.B. selbständige Lehrer und Pflegepersonen, Handwerker, Tagesmütter und Hebammen, sind automatisch durch die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert.

Aber beachte: Sobald du für deine freiberufliche Tätigkeit die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft wählst (z.B. GmbH), sind alle genannten Vorteile hinfällig.

Gewerbliche Tätigkeiten

Gemäß § 1 Abs. 1 GewO darf jeder – unabhängig von seiner Qualifikation – ein Gewerbe betreiben. Wenn du dich für eine gewerbliche Tätigkeit (Ausnahme Land- und Forstwirtschaft) mit Gewinnerzielungsabsicht entscheidest, benötigst du einen Gewerbeschein. Diesen erhältst du als Nachweis deiner Gewerbeanmeldung von der in deinem Wohnsitz zuständigen Behörde oder bei der Handelskammer. Du benötigst eine zusätzliche Gewerbeerlaubnis, die von der Handelskammer nach genauer Prüfung erteilt wird, in folgenden Bereichen:
• überwachungsbedürftige Gewerbe
• erlaubnispflichtige Gewerbe
• Gaststättengewerbe

1. Überwachungsbedürftige Gewerbe

Hierzu zählen gemäß § 38 GewO
1.1. Handel mit: hochwertigen Konsumgütern, insbesondere Unterhaltungselektronik, Computern, optischen Erzeugnissen, Fotoapparaten, Videokameras, Teppichen, Pelz- und Lederbekleidung,
• Kraftfahrzeugen und Fahrrädern
• Edelmetallen, edelmetallhaltigen Legierungen und Waren aus diesen Stoffen sowie Altmetallen
• Edelsteinen, Perlen und Schmuck
• Handel mit Gebrauchtwaren

1.2. Auskunftserteilung über Vermögensverhältnisse und persönliche Angelegenheiten (Auskunfteien, Detekteien)
1.3. Vermittlung von Eheschließungen, Partnerschaften und Bekanntschaften
1.4. Betrieb von Reisebüros und Vermittlung von Unterkünften
1.5. Schlüsseldienste, Vertrieb und Einbau von Gebäudesicherungseinrichtungen
1.6. Herstellen und vertreiben spezieller diebstahlsbezogener Öffnungswerkzeuge.

Bei diesen überwachungsbedürftigen gewerblichen Tätigkeiten hat der Gewerbetreibende unverzüglich ein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 Bundeszentralregistergesetz und eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister nach § 150 Abs. 5 zur Vorlage bei der Behörde zu beantragen. Solltest du diese Unterlagen bereits besitzen, ist zu beachten, dass diese nicht älter als 3 Monate sein dürfen.

2. Erlaubnispflichtige Gewerbe

Hier ist es sinnvoll, vor der Gründung Auskunft bei der zuständigen Handelskammer oder beim Ordnungsamt einzuholen.
Hier seien exemplarisch einige Gewerbe genannt:

  • Apotheken
  • Anlageberater
  • Bank- und Finanzdienstleistungen
  • Baubetreuer
  • Bauträger und Baubetreuer
  • Bewachungsgewerbe
  • Fahrschule
  • Gaststätten- und Hotelgewerbe
  • Immobilienmakler
  • Personenbeförderung inkl. Taxi
  • Pfandleihgewerbe
  • Privatkrankenanstalten
  • Sachverständige
  • Schaustellung von Personen
  • Spielhallen und sonstige Spielunternehmen
  • Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit
  • Versicherungsberater
  • Versicherungsvermittler und -makler
  • Versteigerungen
Published On: Dezember 10th, 2020 / Categories: Ausbildung, Coaching /

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